Ausstellung: „Ob die Möwen manchmal an mich denken?“ Die Vertreibung jüdischer Badegäste an der Ostsee

„Ob die Möwen manchmal an mich denken?“ lautet der Titel der Ausstellung zu Bäder-Antisemitismus, die ab dem 08. Mai im Foyer der Zentralen Universitätsbibliothek zu sehen ist. Die Ausstellung basiert auf dem gleichnamigen Buch der Autorin und Kuratorin Kristine von Soden und thematisiert die Vertreibung jüdischer Badegäste an der Ostsee zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Am 8. Mai ab 14 Uhr eröffnet Frau von Soden die Ausstellung mit einer Lesung aus ihrem Buch und anschließender Führung. Nach Begrüßung durch den Direktor der Universitätsbibliothek, Christian Winterhalter, und einleitenden Worten von Prof. Dr. Stefan Beyerle, dem Antisemitismusbeauftragten der Universität Greifswald, bietet die Veranstaltung allen Gästen Gelegenheit zur Diskussion und zum Besuch der Ausstellung.

Mit dem Aufstieg der Seebäder im Wilhelminischen Kaiserreich trat auch der „Bäder-Antisemitismus“ auf den Plan. „Judenrein!“ lautete die Parole an der Ostsee, lange bevor der NS-Staat Wirklichkeit geworden war.

Schon um 1900 brachten jüdische Zeitungen „Bäderlisten“ heraus, anhand derer sie vor Badeorten warnten, in denen jüdisches Publikum „unerwünscht“ war. Als „Judenbäder“ galten umgekehrt Orte wie Heringsdorf, wo zunächst noch eine liberale Atmosphäre herrschte.

Neben historischen Dokumenten werden ausgewählte Texte aus Briefen und Tagebüchern gezeigt, z. B. von Else Lasker-Schüler, Victor Klemperer und Mascha Kaléko. Auf diese Weise werden die beide Seiten des Strandalltags illustriert: Das Naturschöne und Erholsame an der Ostsee und die zunehmende antisemitische Bedrohung. So entsteht ein vielschichtiges Bild des Strandalltags jener Zeit bis 1937, als nahezu alle Orte und Strände für jüdische Badegäste verboten waren.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit zwischen Dr. Kristine von Soden und dem Max-Samuel-Haus in Rostock. Durch das Interreg-Projekt „In terris Gryphi“ werden die Texte nun erstmals auch in polnischer und englischer Sprache präsentiert und die Ausstellung aus EFRE-Mitteln für die Programmregion Pomerania gefördert. Im Rahmen des Projekts wurden zudem  historische Quellen zum Phänomen des „Bäder-Antisemitismus“ digitalisiert und über die Digitale Bibliothek MV verfügbar gemacht.

Die Ausstellung kann während der Öffnungszeiten der Zentralen Universitätsbibliothek Greifswald besucht werden: Montag–Freitag 8:00–22:00 Uhr, Samstag–Sonntag 9:00–22:00 Uhr.
Der Eintritt ist frei.