BlueGOV – Empowering Coastal Governance through Ocean Literacy

Das Erasmus+ Projekt BlueGOV fördert Ocean Literacy, also das Verständnis dafür, wie das Meer uns beeinflusst und wie menschliches Handeln das Meer beeinflusst. Im Deutschen lässt sich Ocean Literacy näherungsweise als Meereskompetenz übersetzen; im Projekt wird der Begriff jedoch bewusst breiter verstanden: als Wissen, Bewusstsein und Handlungskompetenz im Umgang mit marinen und küstennahen Ökosystemen.
BlueGOV untersucht, wie Ocean Literacy stärker in lokale Governance- und Entscheidungsprozesse in europäischen Küstenregionen integriert werden kann. Ziel ist es, Küstenakteur*innen, darunter Kommunalverwaltungen, Behörden, Unternehmen, Verbände, Bildungsakteure und zivilgesellschaftliche Organisationen, dabei zu unterstützen, verantwortungsvolle und meeresbewusste Entscheidungen zu treffen, die marine Ökosysteme schützen und zugleich nachhaltige Entwicklung vor Ort fördern.
Das Projekt geht davon aus, dass Küstenschutz und nachhaltige Meeresnutzung nicht allein von wissenschaftlichem Wissen oder Regulierung abhängen. Entscheidend ist auch, ob lokale Entscheidungsträger*innen das Meer als ökologische Grundlage, wirtschaftlichen Faktor, kulturellen Bezugsraum und Bestandteil regionaler Identität wahrnehmen. BlueGOV fragt daher, wie Ocean Literacy in Küstenregionen bereits verstanden und praktiziert wird, welche Barrieren ihrer Umsetzung entgegenstehen und welche guten Praxisbeispiele auf andere Regionen übertragbar sind.
Durch vergleichende Forschung, Stakeholder-Interviews, Qualifizierungsworkshops und die Einbindung lokaler Akteur*innen entwickelt BlueGOV praxisnahe Instrumente für die Küstengovernance. Zu den zentralen Projektergebnissen gehören eine digitale E-Learning-Plattform sowie eine praktische Toolbox. Sie sollen Entscheidungsträger*innen und lokalen Akteur*innen Wissen, Beispiele und Handlungsoptionen an die Hand geben, um Ocean Literacy in ihrem jeweiligen Arbeits- und Entscheidungskontext konkret umzusetzen.
BlueGOV wird von sieben europäischen Partnern unter Leitung der Universität Greifswald umgesetzt. An der Universität Greifswald ist das Projekt am Lehrstuhl für Nachhaltigkeitswissenschaft und Angewandte Geographie im Institut für Geographie und Geologie angesiedelt. Die vergleichende Forschung und Analyse in allen Pilotregionen wird von Prof. Dr. Susanne Kleemann und Leonie Feinendegen verantwortet. Im Mittelpunkt stehen drei Pilotregionen, die drei europäische Meeresbecken repräsentieren: die Ostsee mit der Region Rügen in Deutschland, die Adria beziehungsweise das Mittelmeer mit der Region Šibenik-Knin in Kroatien sowie der Atlantik mit Oeiras in Portugal. In der deutschen Fallstudie liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Ostsee, der Insel Rügen und der Zusammenarbeit mit lokalen Akteur*innen, unter anderem mit dem UNESCO-Biosphärenreservat Südost-Rügen.
